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Freitag, 18. Juni 2010

THE SPIDER [EARTH VS. THE SPIDER] 1958

Also schön, nachdem ich ja nun im letzten Post bereits den Namen "Bert I. Gordon" erwähnt habe und "Tarantula" quasi eine Steilvorlage für den 58er "Earth vs. the Spider" ist, komme ich wohl nicht umhin, mich nun diesem Werk zu widmen.....

Eins vorweg: Es handelt sich hier, man muss es in der Deutlichkeit sagen, um ein Tarantula-Abklatsch, auch Rip-Off genannt. Zwar kann man dem guten Bert I. Gordon keinesfalls vorwerfen, sich keine Mühe gegeben zu haben aber das alleine reicht nunmal vorn und hinten nicht um dem 3-4 Jahre früher entstandenen Meisterwerk paroli zu bieten. Tricktechnisch wird sich hier hauptsächlich dem gleichen System bedient wie das auch schon Jack Arnold in "Tarantula" erfolgreich tat. Eine echte, lebendige Tarantel wird mittels Split-Screenings und Rückprojektionen ins Bild kopiert. Das Ergbnis allerdings ist kaum zu vergleichen. Zu oft variiert die Größe des Tiers, sind die Split-Screens offensichtlich oder die Tarantel stellenweise durchsichtig....
Die Story kann definitv nicht mithalten. Wir wollen mal sehr wohlwollend von einem linearen und sehr einfachen Handlungsstrang reden und es dabei ohne weiteren Kommentar bewenden lassen. Auch die schauspielerischen Leistungen lassen höchstens Hobby-Niveau erahnen...

Wer den Film nicht kennt, und lediglich meinen Text als Bewertung heranzieht, der macht es sich allerdings dann doch zu einfach, denn trotz aller genannten Unzulänglichkeiten funktioniert der Film als reines Creature-Feature sehr gut. Man glaubt es kaum aber es ist tatsächlich so....

Bevor wir diesbezüglich weitere Details erörtern, widmen wir uns kurz der Story:
Zwei Teenager sind auf der Suche nach einem vermissten Elternteil und betreten eine Höhle. Hier haust unsere Hauptdarstellerin, die Riesenspinne. Die Teenies können dem Monster knapp entkommen und benachrichtigen natürlich den örtlichen Biologielehrer(!) Nach einigem Telefonschnickschnack mit dem Ordnungshüter number 1 in town wird ein kleiner Aufklärungstrupp inkl. tonnenweise - des damals gängigen Pestizits - DDT in die Höhle entsandt. Die Ungläubigen werden schnell eines Besseren belehrt, denn unsere fette Freundin kommt keuchend durch die Höhle gekrochen.... Mittels DDT kann die Spinne aber unschädlich gemacht werden. Bevor die Spinne zu weiteren Untersuchungen zur nächsten Universität gebracht werden kann, wird sie zunächstmal in der örtlichen Schulturnhalle aufbewahrt. Leider steht ein Schulfest an und die Schülerband muss natürlich noch kräftig proben.... ratet mal wo! Klaro: in der Turnhalle. Spinnchen ist von diesem Höllenkrach natürlich nicht begeistert und statt mausetod auf die einsetzende Verwesung zu warten, macht sich unsere Heldin natürlich auf zu einem Erkundungsgang durch das kleine Wüstenstädtchen....
Hier und da wird mal vorbeigeschaut bevor sie sich wieder auf in Richtung Höhle macht. Zu Hause ists halt doch am schönsten! Leider, leider hats unsere zwei Teenies just in diesem Augenblick ebenfalls in die Höhle verschlagen denn bei ihrem ersten Besuch hat klein Betty ihr Kettchen verloren..... Es wird also nochmal brenzlig.. Hilfe naht aber erneut durch unseren schlauen Bio-Lehrer der mit Hilfe einiger Dörfler seinen modernen Elektroapparat mitschleppt und der Spinne schließlich eine tödliche Ladung Strom verpasst.

Man muss kein Filmwissenschaftler sein um zu bemerken, dass diese Story (mehr Tiefgang gibts da wirklich nicht) keinen vom Hocker reißt, kaum Wendungen und Überraschungsmomente zulässt und einfach nur flach ist. Aber ganz ehrlich, das muss sie auch nicht, denn hier greift wirklich der abgedroschen Satz: Die Story ist ausschließlich dazu ausgelegt, die Riesenspinne in Szene zu setzen. Da verwundert es natürlich auch nicht sonderlich, dass die Schauspieler weder zu ihren Rollen passen und noch dazu einfach kein Talent haben. Besonders deutlich wird das z. B. in der Szene, in der die beiden Jugendlichen in der Höhle unterwegs sind. (Achtet mal drauf, wie sie in das Spinnennetz fallen!). Junge, Junge, das hätte ich besser hinbekommen ohne zu Proben! Außerdem sind die einfach zu alt!!! "Wie zu alt?" werden einige Fragen... Ganz einfach.... Die Hauptdarsteller stellen Schüler dar. Achtet mal auf einige der Klassenkameraden. Die müssen oft sitzen geblieben sein... (Allen voran Joe, der sein Auto immerzu verleiht.... der ist mindestens 40)

Aber trotz alldem, ich habe es schon erwähnt: Der Film funktioniert. Wer einen kleinen, feinen Monsterfilm sehen möchte, der wird hier bestens bedient. Vergleiche, wie ich sie weiter oben mit dem Genrevorreiter "Tarantula" angestellt habe, sollten natürlich nicht angestellt werden, denn dabei geht "The Spider" gnadenlos unter aber für sich alleine betrachtet, haben wir hier ein ordentliches, kleines Filmchen, das auch aufgrund der gradlinigen Story kaum Langeweile aufkommen lässt und aus heutiger Sicht den ein oder anderen Schmunzler parat hat. Solltet Ihr Euch den Film ansehen, dann achtet z. B. mal darauf, wie oft ihr anders gehandelt hättet, als die Jugendlichen im Film....

Ja mein lieber Bert I. Gordon, das was Du uns hier vorsetzt ist halbwegs in Ordnung. Diese Meinung wird in jedem Fall bestärkt, wenn man Deine anderen Werke kennt. Denkt man an andere Deiner Arbeiten wie z. B. "The Beginning of the End" oder "Food of the Gods" dann hat man den Eindruck hier ein Meisterwerk zu sehen.... Ob das nun daran liegt, dass "The Spider" so stark oder Dein restliches Schaffen so ungalublich schwach ist, darüber kann sich der Leser am besten selbst ein Bild machen!!!! Eine sehr ordentliche DVD-Auswertung aus der Serie "The Arkoff Film Library" kann problemlos z. B. über Amazon (direkt oben rechts) für kleines Geld bezogen werden.Viel Spaß dabei!!!

Ich vergebe 3 von 5 Punkten

Sonntag, 13. Juni 2010

TARANTULA (1955)

Nach unsichtbaren Dinosauriern widmen wir uns heute wie versprochen mal wieder dem Monster-Mainstream der 50er, sofern es diesen denn überhaupt gibt. Hier kommt sie also, die Mutter aller Riesenspinnen und sicherlich einer der Genreklassiker überhaupt: Tarantula!!!

Selbst Filmfreunde, die nichts mit klassischen Science-Fiction- oder Horrorfilmen am Hut haben, kennen zumindest diesen Film. Was aber macht Tarantula zu einem solchen Klassiker, der sogar noch Heute - 55 Jahre nach seiner Entstehung - regelmäßig in den Fernsehzeitungen auftaucht? Die Antwort ist relativ schwer zu finden denn die Methode der Special-Effects war selbst zur damaligen Zeit nicht neu, die Schauspieler, allen voran John Agar, eher brüchtigt für B-Movie-Trash und auch die Story bietet auch keine revolutionären Geistesblitze... Was aber ist es dann?

Bevor wir uns den Details zuwenden, also zunächst wie gehabt, ein kurzer Blick auf die Story... Diese beginnt im kleinen Wüstenkaff Desert Rock. Etwas abgelegen, führt ein Wissenschaftlerduo Wachstumsexperimente an Tieren durch mit dem noblen Ziel, die Nahrungsmittelknappheit auf dieser Erde endgültig zu beseitigen... Natürlich geht etwas schief und eine Tarantel kann in die Wüste entkommen. Selbstverständlich behandelt mit dem Wachstumspreparat. Was nun kommt ist klar: Tiere und Menschen verschwinden auf unerklärliche Art und Weise. Selbst der Dorfarzt weiß zunächst keinen Rat, macht sich aber mit der natürlich bildhübschen Assistentin des Wissenschaftlers auf, dem Rätsel auf den Grund zu gehen.

Mhhh... hört sich nicht sonderlich bahnbrechend an, es gibt jedoch einige Besonderheiten, die Tarantula durchaus bemerkenswert machen. Bereits während des Vorspanns erfährt der Zuschauer, dass etwas faul ist im Staate Kalifornien. Ein mit Schlafanzug bekleideter Mann bricht in der Wüste zusammen und ein Schwenk auf das entstellte Gesicht lässt erkennen, dass es ihm wohl nicht sonderlich gut geht. Bereits hier wendet sich Regisseur Jack Arnold vom altbekannten Muster ab. Nicht Kleinstadtidylle sondern Krankheit und Tod werden thematisiert bevor der erste Satz gesprochen wird...
Die Absichten der Wissenschaftler sind durchaus legitim und sind - wie man heute weiß - noch immer aktuell.

Die Story ist nicht so ganz schrecklich linear aufgebaut, wie es sonst für derlei Filme üblich war. immerhin lassen sich drei Erzählstränge erkennen. Zunächst die Arbeit und Zerrissenheit des "Mad Scientist" Dr. Deemer. Er hat das Wachstumsserum entwickelt und ist damit am Tod seines Kollegen zumindest indirekt schuld. Seine Lage spitzt sich zu, als er einen Selbstversuch unternimmt und damit Schritt für Schritt in Richtung Wahnsinn, Deformation und Tod stolpert. Der Zwite Handlungsstrang beschäftigt sich mit dem Arzt Dr. Hastings, der der Ursache der mysteriösen Todesfällen hinterherjagt. Beide Handlungsstränge werden recht geschickt mit dem Auftauchen der hübschen Gehilfin des Professors verknüpft. Mara Corday - immerhin Ex Pin up Girl - fungiert hier also als Scream-Queen, storytechnisches Element und nicht zuletzt natürlich auch als Hingucker. John Agar, der ja für quasi als Synonym für den 50er-jahre B-Film steht, ist hier sicherlich in seiner besten Rolle zu sehen. Hier scheint er richtiggehend aufzublühen und man nimmt ihm die Rolle als Arzt und Held durchaus ab. Evtl. war Agar einer der Schauspieler, die sich in Qualität der Ausübung ihres Berufes an die Qualität des Films anpassten. So wären dann zumindest viele seiner sonstigen Auftritte in anderen Filmen zu erklären....

Dritter und natürlich wichtigster Handlungsstrang windet sich selbstredent um die Riesentarantel und der Suche nach ihr bzw. der Aufklärung der durch die Riesenspinne verursachten Todesfälle. Nachdem nunmehr allen Beteiligten schlagartig klar wird, mit welchem Monster die Filmwelt diesmal konfrontiert wird, geht es hier allerdings Schlag auf Schlag und für meine begriffe etwas schnell. Nachdem der - sowieso so schon schwer erkrankte - Wissenschaftler ganz klischeehaft von seiner eigenen Kreation verschlungen wird, versucht man dem Monster zunächst mit Dynamit beizukommen. Dies misslingt allerdings und so muss die militärische Schalgkraft herhalten um der Riesenspinne die Lebensgeister auszuhauchen. Dieses schnelle, und kaum Spannung erzeugende, Ende ist sicherlich größtes Manko des Films. Es macht irgendwie den Eindruck, als ob hier plötzlich das Budget schneller als der Film zu Ende war....

Nächster Punkt sind die Special-Effects. Hier hat Altmeister Jack Arnold ganze Arbeit geleistet. Zwar ist das genutzte Verfahren auch damals keine Weltneuheit gewesen, die Perfektion mit der die Riesenspinne allerdings ins Bild kopiert wird, ist noch heute beeindruckend. Lediglich zwei kleine Patzer, bei denen ein Bein der Spinne in der Luft zu schweben scheint, fallen bei sehr genauem Hinsehen auf. Ansonsten hat das SFX-Team hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Wenn man sich hier mal andere - auf diese Weise erschaffene - Filmmonster ansieht, erkennt man schnell den Unterschied. Allen voran hat sich hier übrigens ein Regisseur namens Bert I. Gordon hervorgetan, dessen Filme hier sicherlich auch noch ab und an Thema werden. Gordon arbeitete in seinen Filmen fast ausschließlich mit Rückprojektionen, allerdings dermaßen schlecht umgesetzt, dass es eine Qual ist. Gordon war übrigens lange Zeit aktiv und drehte u. a. noch 1977 den Heuler "In der Gewalt der Riesenameisen". Wer nicht glaubt, dass Tarantula in allen belangen besser ist als z. B. dieser - immerhin 22 Jahre später entstandene - Film, dem sei ein Vergleich unbedingt empfohlen!
Ansonsten kommen lebensgroße Modelle der Körperteile der Spinne zum Einsatz, die aber lediglich in einer Szene verwendet werden. Hier blickt der Spinnenkopf durch das Fenster auf unsere ahnungslose Scream-Queen um anschließend das Haus und den Professor Deemer zu zerstören bzw. zu verspeisen. 

Was Rieseninsekten und Riesenmonster im allgemeinen angeht, ist Tarantula sicherlich einer der ganz großen Filmbeiträge. Hier stimmt vieles und wer ihn nicht kennt, der sollte sich ganz schnell ein Exemplar besorgen. Die Universal-DVD gibt´s günstig zu erwerben, wer das nicht möchte, kann aber alternativ auch die Augen offen halten, denn Tarantula läuft wie gesagt noch immer regelmäßig im Free-TV.

Erwähnenswert noch, dass Clint Eastwood hier seinen ersten, kurzen Auftritt als Pilot der Luftwaffe hatte. Leider ist er kaum zu erkennen, da er lediglich mit Visier zu sehen ist und selbst das nur für einige Sekunden.

Tja, soviel für heute. Sicherlich könnte man über diesen Film noch viel, viel mehr berichten. Das würde allerdings die Grenzen des Blogs sprengen.




Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten